Barrierefreiheit in der Kommune – Wo besteht noch Handlungsbedarf?

Unter diesem Motto stand der Nachmittag des 3. April im Landkreis Görlitz.In Ebersbach-Neugersdorf begann 14 Uhr ein Stadtrundgang der anderen Art. Horst Wehner, Vizepräsident des Sächsischen Landtages und Vorsitzendes des Landesverbandes VdK, Bernd Noack, Beigeordneter der Stadt Ebesbach-Neugersdorf, Kreisrat Jens Thöricht und der Rollstuhlaktivist Peter Kohlhaas gingen beziehungsweise rollten über die Gehwege.

unüberwindbar: Treppen bei Bibliothek
unüberwindbar: Treppen bei Bibliothek

Dass dies nicht ohne die Überwindung von Barrieren geschah, wurde den „Gehenden“ deutlich demonstriert. Herr Wehner wollte sich ein Buch in der Stadtbibliothek am technischen Rathaus kaufen und scheiterte. Er konnte die Stufen nicht überwinden, eine Rampe gab es nicht.

Am alten Rathaus, in dem auch der Polizeiposten untergebracht ist, war an der Tür ein Schild für Hunde angebracht „Wir müssen draußen bleiben“. Aufgrund der hohen Stufe gilt dies leider auch für rollstuhlfahrende Menschen – ärgerlich.
Herr Noack notierte sich die Mängel und versprach einige zeitnah abzustellen. Stadträtin Edith Peisert (DIE LINKE), die neben Schulcoach Uwe Radeck ebenfalls am Rundgang teilnahm, wird dies in einiger Zeit überprüfen.
Das Ziel des Rundganges war, für das Thema zu sensibilisieren. Gehende haben oft einen anderen Blickwinkel und sehen die Probleme der Rollstuhlfahrer_innen, der Kinderwagenschiebenden aber auch der Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, nur schwer.

Ortswechsel

Mit dem Thema „Barrierefreiheit in der Kommune“ wurde sich ab 17 Uhr im Infoladen Zittau beschäftigt. Neben Wehner, Kohlhaas und Thöricht nahm der Bürgermeister der Stadt Zittau Michael Hiltscher im Podium Platz.
Zu Beginn wurde die Thematik mit zwei kurzen Videos, die am Nachmittag in Ebersbach-Neugersdorf entstanden sind, bildlich dargestellt.
Anschließend machte Herr Wehner deutlich, dass gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention Voraussetzungen zu schaffen sind, die es behinderten Menschen ermöglichen, gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Hierzu gehören beispielsweise auch barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Einrichtungen und dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Dass die Umsetzung der berechtigten Forderung öfters an der finanziellen Ausstattung der Kommunen scheitert, machte daraufhin Bürgermeister Hiltscher deutlich. Dennoch, der „Problematik des Umganges mit Behinderten muss man sich stellen“, so Hiltscher. Deshalb steht die Stadt Zittau in Kontakt mit dem VdK. Gemeinsame Vor-Ort-Besichtigungen von Baustellen finden statt, können aber sicherlich noch ausgebaut werden.
Der selbst im Rollstuhl sitzende Peter Kohlhaas bemerkte, dass eine gänzlich barrierefreie Welt eine schöne Vision sei. Im Landkreis Görlitz ist zwar schon viel dafür getan, dennoch fühlt er sich „wie im Wunderland“, wenn er nach Dresden fährt. In der Landeshauptstadt sei man deutlich weiter.
Thöricht, der den Abend moderierte, lud das interessierte Publikum in die Diskussion ein. „Barrierefreiheit entsteht auch im Kopf“ war nur eine Aussage während des intensiven Austausches.
Ein treffendes Schlusswort hielt der Vizepräsident des Sächsischen Landtages Horst Wehner: Ziel des Tages war es, für das Thema zu sensibilisieren, darauf aufmerksam zu machen und Schlussfolgerungen festzuhalten und in der Zukunft zu beachten. Wenn alle Beteiligten gemeinsam das wichtige Thema beachten und zukünftig bei Planungen berücksichtigen, dann sind wir einer barrierefreien Welt, auch im Landkreis Görlitz, ein bedeutendes Stück näher gekommen.

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