Gedenken an das Opfer der Messerattacke

Gedenken an das Opfer der Messerattacke

Als stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt Zittau richtete ich heute auf der spontan organisierten Gedenkfeier am Tatort folgende Worte an die rund 50 Anwesenden:

Am Dienstagabend ist es am Haberkornplatz in Zittau zu einem folgenschweren Messerangriff gekommen. Dabei gab es ein Todesopfer.

Wie die Polizei bestätigte, griff ein 52-Jähriger am Dienstag gegen 20.20 Uhr eine 34-Jährige mit einem Messer an und verletzte sie dabei schwer. Die Frau sei wenig später im Krankenhaus verstorben. Nach Medieninformationen zufolge sind Täter und Opfer deutscher Herkunft. Es handelt sich um eine Beziehungstat. Der Tatverdächtige konnte von der Polizei festgenommen werden.

Soweit die nüchterne Meldung und die Worte in den Medien.

Worte sind es jedoch, die Einem aufgrund dieser Tat fehlen. Eine Tat, welche auf einem öffentlichen Platz in Zittau, an dem Viele von uns Tag ein Tag aus lang gehen, mitten in unserer Heimatstadt, erfolgte.

Vor wenigen Tagen dachte ich noch, derartige unmenschliche Taten können nur weit weg geschehen. Wir alle kennen die anonymen Opfer in Nachrichten. Wir alle müssen aber nun die Erfahrung machen, dass  unmenschliche Taten überall, an jenem Ort und zu jeder Tageszeit passieren können.

Menschen können auch hier so verzweifelt und von negativen Gefühlen getrieben sein, dass sie töten. Dass sie sich verletzen. Dass sie andere verletzen. Ich finde keine Antwort, wie es in einem Menschen aussehen muss, der zu solch einer Tat fähig ist.

Noch viel Schlimmer als dieser Blick auf den Täter ist jedoch, dass er einem Menschen das Leben genommen hat. Dass er einer Familie und Freunden einen geliebten Menschen und einen leuchtenden Stern am Himmel des Lebens genommen hat. So stehe auch ich heut an einem Tatort, an welchem ich nur große Trauer, Mitgefühl und auch ein Stück weit Sprachlosigkeit spüre.

Im Namen der Stadt Zittau spreche ich den Angehörigen der Verstorbenen unser tiefes Beileid aus. Ich wünsche Ihnen, dass sie Trost und kurze Momente der Freude in Erinnerung an die Verstorbene in Zukunft finden. Denn die Liebe ist stärker als der Tod.

Als Christ glaube ich und habe die Hoffnung, dass es für die Verstorbenen ein Leben nach dem Tod gibt. Ein Tod, der für das Opfer viel zu früh und unerwartet kam. Ein Tod, der großen Schmerz bei den Angehörigen verursachet. Mein tiefes Beileid und Gottes Kraft in jenen schweren Stunden und Tagen.

Ich appelliere gleichzeitig an alle, die wir heut hier Gedenken und Anteil nehmen: lasst uns wieder stärker aufeinander achten, respektvoll miteinander umgehen und vor solchen Taten nicht wegschauen. Aufs Tiefste müssen wir verurteilen, was hier mitten unter uns passierte. Wie einem Menschen das Leben genommen wurde.

In tiefer Trauer und Anteilnahme gedenken wir dem Opfer dieser schrecklichen und für uns alle so unverständlichen Tat.

Ich schließe mit den Worten von Ludwig Uhland:

Du kamst, du gingst mit leiser Spur,

ein flücht´ger Gast im Erdenland;

Woher? Wohin? Wir wissen nur:

Aus Gottes Hand in Gottes Hand.

 

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