Hoffnung an der Kirchentür

war das Motto des „OberlausitzKirchentages 2017“, der am 23. September 2017 in Zittau stattfand.

Dieser begann mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der ehrwürdigen St. Johanniskirche, bei dem ich als zweiter stellvertretender Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Zittau nachfolgendes Grußwort überbringen durfte.

Sehr geehrte Damen und Herren, ja liebe Brüder und Schwestern,

ich stehe heute nicht nur als stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt Zittau sondern auch als Christ vor Ihnen.

Als Stellvertreter von Oberbürgermeister Zenker freue ich mich sagen zu können, dass die Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden der Stadt Zittau sehr konstruktiv ist. Denken wir zum Beispiel an die Klosterkirchenstiftung – ohne der Rolle der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde stünden wir als Stadt und die Kirchgemeinde heute nicht an der Stelle, die wir nun erreicht haben.  Viele offene Fragen und vermeintliche Probleme konnten nur im Rahmen einer engen Kooperation geklärt werden. Und dafür danke ich Ihnen im Namen der Stadt Zittau.

Lassen Sie mich jedoch auch noch einige persönliche Worte sagen.

Die Lutherdekade steuert auf ihren Höhepunkt zu: Am 31. Oktober ist der 500. Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther, der damit die Reformation und die Geburt der evangelischen Kirche eingeleitet hat.

Martin Luther studierte die Bibel – Wort für Wort. Las, was für eine frohe Botschaft sie enthielt – und entdeckte Worte in ihr, die ihn erkennen ließen, auf welche Weise er selbst – und der Mensch an sich – einen gnädigen Gott bekommen kann.
Er erkannte, was sein Leben und sein Gottvertrauen veränderte: allein aus Gnade und allein aus Glauben wird der Mensch vor Gott gerecht, also frei gesprochen, wird gerettet vor Hölle und Verdammnis, wird befreit von der eigenen Schuld.

Ich freue mich, wenn ich höre, dass sich die evangelisch-lutherische und die katholische Kirche annähern. Seien es die gemeinsamen Gottesdienste, die unter den Zeichen der Versöhnung und der Annäherung standen. Oder die Erklärungen der beiden großen christlichen Kirchen, die bei aller Unterschiedlichkeit im Detail das verbindende Element der Heiligen Schrift in den Vordergrund stellten. Vor 50 Jahren wäre so viel Gemeinschaft noch undenkbar gewesen.

Ich bin nunmehr – wie ich dies schönend zu meiner Frau stets sage –im »Eltern-Alter«. Ich würde mich enorm darüber freuen, wenn unsere Kinder in diesem Alter sind, es nicht mehr wichtig ist, wer Protestant, Katholik oder wie ich Mitglied der Evangelischen Freikirche Elim ist. Dies könnte vielleicht auch im Feiern des gemeinsamen Abendmahles deutlich werden. Es würde mich glücklich machen, wenn das Wort Gottes als Orientierung gilt.

Denn die christlichen Kirchen haben doch mit ihrem gewichtigen Pfund »Bibel« und der Botschaft Christi so faszinierend viel zu bieten.

Zurück zur Reformation und Luther.

Verzeihen Sie mein unumwundenes, über Grenzen hinweg denken, Christen beider großen Konfessionen sollten den 31. Oktober 2017 zu einem Auftakt machen, nicht zu einem Schlusspunkt.

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