Landkreis Görlitz immer mehr auf dem Abstellgleis

Ab Oktober 2020 behandeln Augenärzte in Ostsachsen Patientinnen und Patienten nur noch in einer Portalpraxis in Bautzen. Dazu erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag Susanne Schaper:

Von der in der letzten Legislaturperiode im Koalitionsvertrag versprochenen wohnortnahen und flächendeckenden medizinischen Versorgung ist nicht viel übrig geblieben. So müssen ab Oktober diesen Jahres Patientinnen und Patienten an Wochenenden oder in den Abendstunden bis zu 50 Kilometer zurücklegen, wenn sie einen Augennotfall erleiden. Wer dazu den öffentlichen Personennahverkehr nutzen will oder muss, weil man mit Problemen am Auge besser nicht selbst Auto fahren sollte, muss mindestens eine Stunde Fahrtzeit einplanen. Ein untragbarer Zustand, der die Menschen dann erwartet und deutlich macht, dass Zentralisierung von Gesundheitsleistungen nicht immer sinnvoll ist. Erst recht nicht, wenn die Rahmenbedingungen, wie ein gut funktionierender ÖPNV nicht gegeben sind. Am Ende werden Notärzte und Rettungsdienste die Leidtragenden einer solchen Politik sein, weil sie dann beispielsweise wegen Schmutzpartikeln im Auge Patientinnen und Patienten von Zittau nach Bautzen bringen müssen.

Jens Hentschel-Thöricht, Kreisrat der LINKEN und Mitglied im Ausschuss Gesundheit und Soziales des Landkreises Görlitz, ergänzt: Wieder einmal schlechte Nachrichten für den Landkreis Görlitz. Arbeitnehmer verdienen im Landkreis im bundesweiten Vergleich mit am wenigsten, die Sozialausgaben sprechen ebenfalls eine katastrophale Sprache. Und nun  dürfen sich die Menschen bei einem Augennotfall auch noch auf den Weg in den benachbarten Landkreis Bautzen machen. Mir kommt es immer mehr so vor, dass der Landkreis Görlitz bei der Landes- und Bundespolitik sowie nun auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen als aussterbende Region angesehen und daher als nicht beachtenswert eingestuft wird.  

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