Nazitrauermarsch blockiert – nach Dresden nun auch in Chemnitz

von Jens Thöricht und Ramona Gehring

Nach sechshundertsiebenundachtzig (687!) Metern war Schluss mit dem geplanten Trauermarsch, welche die „IG Chemnitzer Stadtgeschichte“ anlässlich der Bombardierung der Stadt Chemnitz für den 05. März 2013 angemeldet hatte. Ziemlich genau 348 Vertreter der extremen Rechten, meist junge Männer wollten ihre geschichtsrevisionistische Sicht auf die Bombardierung auf die Straße tragen. Damit kann festgehalten werden, dass deutlich hinter den Vorjahreszahlen auf Naziseite zurückgeblieben wurde. Scheinbar zeigt die erfolgreiche Blockierung der Naziaufmärsche in Dresden und Cottbus nun auch in Chemnitz ihre Wirkung bei der Mobilisierung.

„2.200 Nazigegner haben heute erfolgreich den alljährlichen Trauermarsch der Nazis durch Chemnitz blockiert.“ meldet die Initiative „Kein bisschen Friede“ auf ihre Homepage. (1)
Diese hatte zur Teilnahme an einer Demonstration des Studentenrates der TU Chemnitz  aufgerufen. Etwa 700 Teilnehmende starteten gegen 17:30 Uhr bei der Mensa auf der Reichenhainer Straße (2). Nach der Zwischenkundgebung an der Lutherstraße entschieden sich einige Menschen vor Ort zu bleiben, da sie dort Protest in Sicht- und Hörweite äußern wollten. Der restliche Demonstrationszug zog weiter und schaffte die Besetzung der geplanten Naziroute auf der Bernsdorfer Straße mit etwa 500 Menschen.

Die Demonstration des Bündnisses „Chemnitz Nazifrei“ blockierte die Kreuzung Annenstraße Ecke Reitbahnstraße mit etwa 1500 Menschen.

Somit waren alle Routen inklusive möglicher Ausweichrouten für die Nazis blockiert. Ein deutlicher Erfolg für alle antifaschistisch eingestellte Menschen. Daher blieb den Geschichtsrevisionisten nur eine „Runde um den Block“, wie es ein Polizeibeamter sagte. Dreihundertdreiundvierzig Meter in die eine Richtung, umdrehen, zurück, abreisen.

„Zum ersten Mal ist es gemeinsam gelungen, den jährlichen Nazi-Aufmarsch in Chemnitz zu verhindern“, so Michael Leutert, MdB DIE LINKE aus Chemnitz und Sprecher der Landesgruppe Sachsen der Linksfraktion, zu der gestrigen Demonstration in Chemnitz.

Zu den Nazis:
Die Versammlungsleiter der Nazis bestimmte, dass in vierer Reihen marschiert werden soll. Fackeln wurden am Rande mitgeführt, genau wie schwarze Fahnen. Die NPD Stadträtin aus Zittau (Ostsachsen) und Kandidatin zur Bundestagswahl Antje Hiekisch twitterte für die extreme Rechte an diesem Tag in Chemnitz vor Ort. Begleitet wurde sie von ihrem Mann Torsten Hiekisch, ebenfalls NPD Mitglied. Laut Antifa Lausitz fungiert er als Geschäftsführer des NPD-Kreisverbandes Görlitz / Niederschlesien-Oberlausitz.
Das Fronttransparent mit der Aufschrift „ Erinnerung verpflichtet“ wurde von drei jungen Frauen und einen Mann getragen. (3)
Die ersten drei Transparente waren mit Parolen zum 5. März beschrieben. Auf dem zweiten Transparent stand „Die Opfer waren unsere Familien“ (4), auf dem dritten: „Wir gedenken der deutschen Opfer“ (5).
Ein Block mit etwa 24 Mitgliedern und Sympathisanten der NPD folgte den vorangehenden mit einem Transparent (6).
Anschließend folgte jeweils ein Block der „Nationalen Sozialisten Erzgebirge“ (7), der „Kameradschaft Leipzig-Möckern“ (8) und der Kameradschaft Weimarer Land.

Quellen:

  1. http://angry.blogsport.de/
  2. Bild 2, 5, 6 R. Gehring (rg)
  3. Bild 3,4, 7, 8 Marcus Fischer (MF) www.marcusfischer.net

Dieser Artikel erschien in den „Antifaschistischen Nachrichten“ Ausgabe Nr. 3 im März 2013.

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