Rechtsextreme Aktivitäten zum Todestag von Rudolf Hess

Er ist die Symbolfigur vieler Neonazis nicht nur im bayerischen Wunsiedel, wo er begraben liegt: Rudolf Hess. Am 17. August vor 20 Jahren nahm sich der ehemalige Stellvertreter Adolf Hitlers im Gartenpavillon des Militärgefängnisses Berlin – Spandau das Leben. Die rechte Szene leugnet seit Jahren diese Darstellung und versucht mit abenteuerlichen Theorien zu belegen, dass Hess dazu körperlich nicht mehr in der Lage gewesen sei.

Was in diesem Kontext oft ausgeblendet wird ist, dass Rudolf Hess Kriegsverbrecher war. Er wurde vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal wegen „Vorbereitung eines Angriffskrieges“ sowie „Verschwörung gegen den Weltfrieden“ zu lebenslanger Haft verurteilt. In seinem Schlusswort sagte er: „Ich bereue nichts“. Die rechte Szene allerdings stellt Rudolf Hess nur als den „Friedensflieger“ dar, der den Krieg beenden und in Friedensverhandlungen treten wollte.

Da der Hessmarsch, wie im letzten Jahr, in Wunsiedel verboten blieb, wichen Neonazis in verschiedene Städte aus. Offiziell hatte das neonazistische “Wunsiedel Kommitee” seine Beteiligung an eventuellen Gedenkaktivitäten bereits am 15. August zurückgezogen. Grund hierfür war jedoch offensichtlich der Versuch, keinen Verbotsgrund für die eventuellen Ersatzveranstaltungen zu bieten. Durch den Bezug auf den Paragraphen 130 Absatz 4, mit dem der Hessmarsch in Wunsiedel verboten worden war, ging es vordergründig um das “Recht auf Meinungsfreiheit” – welche Inhalte damit jedoch gemeint waren, nämlich die Verherrlichung des Nationalsozialismus, war dabei mehr als offensichtlich.

Daher riefen Neonazis zu einer bundesweiten „Rudolf-Hess-Gedenkwoche“ auf. Doch der zwanzigste Todestag des Hitlerstellvertreters war trotz großspurig angekündigter “Aktionswochen” der Neonazis ganz offensichtlich ein Reinfall. Es ist den Neonazis erneut nicht gelungen an ihre Mobilisierungserfolge der Jahre 2001 bis 2004 anzuknüpfen, insgesamt blieb die Zahl der Neonazis, die am 18. August in den verschiedenen Orten aufmarschierten sogar hinter denen des Vorjahres zurück. Mit den traditions- und identitätsstiftenden “Trauermärschen” in Umsiedle hatten die diesjährigen neonazistischen Aktivitäten kaum etwas gemein.

Doch auch in Ostsachsen waren Nazis aktiv. Eine, von den Jungen Nationaldemokraten, angemeldete Demonstration im ostsächsischen Zittau wurde durch das Landratsamt verboten.

So beschränkten sie sich auf das Kleben von Plakaten, auf das Sprühen von Parolen, das Aufhängen von Transparenten und das Verteilen von Papierschnipseln, die auf die Erde geworfen wurden. Diese Aktionen werden im Internet als Erfolg und Sieg „über die Systembüttel“ gefeiert.

Ob mit solchen Aktion die Bevölkerung auf Rudolf Hess und das Anliegen der Nazis

aufmerksam gemacht werden konnte, bleibt zu bezweifeln. Auch deswegen, weil es engagierte AntifaschistInnen gibt, die regelmäßig die braune Propaganda zeitnah entsorgt haben.

Dennoch darf die Gefahr, die von der rechten Seite ausgeht, nicht unterschätzt werden. Mit solchen Aktionen werden junge Leute, die Abenteuer, Spannung und Anerkennung suchen, gewonnen. Hier gilt es entsprechende Aufklärung zu betreiben und Alternativen anzubieten. Eine Möglichkeit ist die Beteiligung am Volleyballturnier gegen Rassismus am 08.09.2007 in Kamenz.

Jens Thöricht

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