Redebeitrag während der antirassistischen Demonstration in Hoyerswerda

Gedenken in Hoyerswerda

Das scheint ein sehr schwieriges Thema für einige gerade hier vor Ort zu sein. Fast möchte ich sagen, jedes Jahr die gleiche Scheiße.

Ich hatte erwartet, dass die politischen Akteure im Landkreis Bautzen nach ihre Blamage im letzten Jahr sensibler mit dem Thema umgehen. Im letzten Jahr wurde vor der Demonstration anlässlich des 20. Jahrestages der Pogrome, und ja –ich sage bewusst der Pogrome –  versucht die Routenführung zu verändern, Seitentransparente sollten nicht erlaubt sein und noch einige Schikanen mehr. Nachdem ich versucht hatte, dies im Gespräch zu lösen, wurde mir schnell klar, dass diese Demonstration behindert werden sollte. Dank an dieser Stelle an einen fitten Rechtsanwalt aus Leipzig, der vor Gericht alle strittigen Punkte im Sinne des Orga-Teams durchsetzte. Das Geld was hier der Landkreis in den Sand gesetzt hatte, Gerichtsgebühren, Kosten für unseren Anwalt, wären sicherlich ein Finanzierungsanteil für das schon damals geforderte Denkmal gewesen.

Und genau darum geht es uns. Wir fordern ein Denkmal, welches an die rassistischen Pogrome von 1991 erinnert. Vor einem Jahr, heute und wenn es notwendig wird auch im nächsten Jahr.

Leider haben einige Menschen mit der Geschichtsbewältigung so ihre Probleme. Sie wollen nicht zugeben, dass es 1991 gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Täterinnen einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden, gab. Ach ja genau dies ist die Definition des Wortes Pogrom. Ich kann und werde es nicht verstehen, warum die Anerkennung einer Tatsache so schwierig sein soll.

Und solange Menschen, die auf Rassismus – damals wie heute – hinweisen als Nestbeschmutzer bezeichnet werden,
als Auswärtige, die sich nicht einmischen sollen, solang hat auch Hoyerswerda ein Problem.
Kein Problem, welches von außen hereingetragen wird, sondern eins in den Köpfen etlicher Menschen die hier vor Ort leben.

Und genauso lange, wünsche ich mir, dass es immer wieder Menschen gibt, die den Finger in die Wunde legen.
Dass es Menschen gibt, die nicht müde werden, das Problem beim Namen zu nennen.
Dass es Menschen gibt, die ein Entschädigung für die Betroffen fordern.

Daher DANKE, dass ihr heute da seid, denn nach wie vor heisst das Problem Rassismus.

Die Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind gestattet.