Schutz vor häuslicher Gewalt im Landkreis unzureichend

Bereits im September wandte sich der Kreisrat der LINKEN Jens Thöricht mit folgenden Fragen an Landrat Lange:
1.) Wie viele Plätze stehen im Frauenschutzhaus bzw. in Frauenschutzwohnungen im Landkreis Görlitz zur Verfügung? (Bitte nach jeweiligen Standorten aufschlüsseln)
2.) Wie viele schutzsuchende Frauen mussten aufgrund von Kapazitätsgrenzen in den Jahren 2009 – 2014 in den Einrichtungen abgewiesen werden? (Bitte nach Jahresscheiben aufschlüsseln)
3.) Wie viele Plätze stehen für schutzsuchende Männer in entsprechenden Männerschutzwohnungen im Landkreis Görlitz zur Verfügung?
4.) Über wie viele barrierefreie Plätze verfügen die Frauen- und Männerschutzeinrichtungen im Landkreis Görlitz?
5.) Welche finanzielle Förderung erhielten und erhalten die jeweiligen Einrichtungen in den Jahren 2009 bis 2015 (Bitte nach Einrichtungen und Jahresscheiben aufschlüsseln)

Die Antwort des Landrates verwies auf die 12 Plätze in Görlitz (4 Erwachsene und 8 Kinder) und die 7 in Zittau (3/4), die für die Erfüllung der Pflichtaufgabe zur Verfügung stehen.
Die Plätze seien ausreichend und nicht ausgelastet und bei Bedarf könne auf die Frauenschutzeirichtungen des Nachbarkreises ausgewichen werden.
Parallel zu den Antworten des Landrates machten die Betreiber der Frauenschutzwohnungen aber ganz andere Angaben:
Aus Zittau heißt es u.a.: “Wir haben insbesondere festgestellt, dass Frauen, die von uns aus Kapazitätsgründen an das Frauen- und Kinderschutzhaus „Domizil“ in Görlitz weiter verwiesen werden, dort in der Regel nicht wegen einer Unterbringung nachfragen.“ ….. „Wir vermuten, dass der logistische und finanzielle Aufwand aufgrund der Entfernung zur nächst-gelegenen Einrichtung den betroffenen Frauen zu hoch erscheint und aus diesem Grunde nach anderen Lösungen gesucht wird, können dazu jedoch keine weiterreichenden Angaben machen.“
Auch in Görlitz wurden seit 2012 wiederholt schutzsuchende Frauen abgewiesen. Die BetreiberInnen des „Domizil“ vermuten ebenfalls: „Die Gründe hierfür lassen sich leider nur vermuten. So gehen wir davon aus, dass der Aufwand (logistisch und finanziell) für die Frauen zu groß ist und unter Umständen auch noch der Besuch der Kindertagesstätte oder Schule gewährleistet werden muss. Aus diesem Grund suchen Betroffene wahrscheinlich andere Schutzmöglichkeiten oder verbleiben leider weiter in der von Gewalt geprägten Umgebung. Genaue Angaben dazu können wir leider nicht machen.“
Im Kreisausschuss Gesundheit und Soziales hat der Landrat aufgrund der Nachfragen der LINKEN bereits zugesagt, dass genau geprüft wird, wie vielen Frauen aufgrund der Platzkapazitäten nicht geholfen werden konnte. Das Ziel aller politisch Verantwortlichen sollte es sein, dass keine Schutzsuchenden abgewiesen werden und ausreichend Schutzmöglichkeiten im gesamten Landkreis vorhanden sind.

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