Transparenz in Hoyerswerda? – Fehlanzeige!

Nun ist es beschlossen. In Hoyerswerda wird ein Denkmal, welches an das rassistische Pogrom von 1991 erinnern soll, errichtet. Eine Bürgerbeteiligung, welcher Entwurf für ein Denkmal realisiert werden soll, gab es nicht. Lediglich über den Standort dürfen die Menschen ein bisschen mitentscheiden. Aus den Reihen des Stadtrates ist jedoch zu hören, dass der Standort schon feststeht. Scheindemokratie.

Anders als dem Oberbürgermeister und Stadtrat von Hoyerswerda ist mir als einer der Ansprechpartner für den eingereichten Entwurf der Initiative „pogrom91“  Transparenz wichtig.
Daher informiere ich hiermit über den Entwurf der Initiative „pogrom91“.

Die Erinnerung an die Ereignisse vom September 1991 soll an den Orten sichtbar sein, an welchen sich die rassistischen Angriffe von 1991 ereignet haben. Es soll deshalb zwei Orte des Erinnerns geben: den Standort des ehemaligen Asylsuchendenheims in der Thomas-Müntzer-Straße und das ehemalige Wohnheim der Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter in der Albert-Schweitzer-Straße. Der Gedenkort am ehemaligen Vertragsarbeiterinnenheim soll jedoch nicht im Wohngebiet auf der Albert-Schweitzer-Straße, sondern an der Dr.Wilhelm-Külz-Straße errichtet werden.

Inhaltlicher Kern an beiden Gedenkorten sind Stelen mit der Aufschrift:

In Erinnerung an das rassistische Pogrom von Hoyerswerda im September 1991.

September 1991: Tagelang griffen Nazis und Bürgerinnen Hoyerswerdas zwei Wohnheime von Vertragsarbeiterinnen und Asylsuchenden mit Steine, Flaschen und Molotowcocktails an — bis diese schließlich evakuiert werden mussten. Die Bewohnerinnen der Heime mussten während der Angriffe um ihr Leben fürchten.

Der Text soll auf transparente Flächen gedruckt werden. Die durchsichtige Gestaltung soll einen Blick auf die Orte des Geschehens ermöglichen, um gedanklich einen Bezug zum hier und jetzt zu unterstützen. „Würde ich einschreiten, wenn ich eine rassistische Gewalttat beobachte?“, „Wie reagiere ich heute, wenn ich rassistische Äußerungen vernehme?“ oder „Wie geht es den Betroffenen von 1991 eigentlich heute?“, soll sich der Betrachter oder die Betrachterin fragen. In das Denkmal sind ein Stein und die Scherbe einer Flasche mit eingearbeitet, sie stehen symbolisch für die Steine und Molotowcocktails, mit denen die Nichtdeutschen in ihren Häusern angegriffen wurden. Die Initiative „Pogrom 91″ hat bereits im Jahr 2011 eine solche Stehle entworfen, ein Foto finden Sie im Anhang der Bewerbung.

Neben den Stelen sollen die Gedenkorte um eine Dimension erweitert werden, welche sie zu „Stolpersteinen“ machen. Es sollen zwei Orte entstehen, an denen spürbar ist, dass sich Geschichte mit drastischen Folgen ereignet hat. Hierfür sollen die Straße und die Fußwege vor den Gedenkstehlen in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße und in der Thomas-Müntzer-Straße mit gefärbten Bremsschwellen ausgelegt werden. Damit soll der Verkehr vor den beiden Orten der Angriffe von 1991 gebremst werden. Am geeignetsten erscheinen Kreissegmentschwellen. Auf beiden Straßen sollen sieben dieser Schwellen errichtet werden — eine für jeden Tag des rassistischen Pogroms, welches sich vom 17. September bis zum 23. September 1991 ereignete. In derselben Farbe, in welcher die Bremsschwellen gestrichen sind, sollen Farbstriche von den Schwellen auf die Gedenkstehle zulaufen, um beide Elemente miteinander zu verbinden.

Die Initiative „Pogrom 91″ hat außerdem einen zwanzig Minuten langen Videobeitrag zusammengestellt, welcher in kurzen Clips die Ereignisse von 1991 dokumentiert und den Umgang in der Stadt mit dem rassistischen Pogrom bis heute aufzeigt. Der Film kann, wenn die Denkmäler an der Dr.-Wilhelm-Külz- und an der Thomas Müntzer-Straße mit entsprechenden Videoprojektoren ausgestattet werden, bei Dunkelheit an Gebäude oder eine aufgestellte Leinwand gestrahlt werden

Angaben zu einer möglichen Förderung des Projekts und bisheriger Finanzierung, wenn vorhanden

Die 1000 Euro Preisgeld können als Anschubfinanzierung genutzt werden. Die Initiative „Pogrom 91″ ist der Auffassung, dass die Stadt es den Betroffenen von 1991 schuldig ist, alle weiteren Kosten für die beiden Gedenkorte zu übernehmen.

Referenzen, wenn vorhanden

Die Initiative „Pogrom 91″ hat für bisherige Aktionen Unterstützung aus dem ganzen Bundesgebiet erhalten, darunter waren Mitglieder des Bundestages, Mitglieder des Sächsischen Landtages, Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft, Funktionäre der Partei Die Linke, zivilgesellschaftliche und antifaschistische Gruppen

Biografie aller Beteiligten

Die Initiative „Pogrom 91″ gründete sich zum 20. Jahrestag des rassistischen Pogroms von 1991. Sie beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Ereignisse von 1991 und mit der Erinnerung an die Angriffe. Sie will den Diskurs um das rassistische Pogrom von 1991 in Hoyerswerda kritisch begleiten und hat 2011 und 2012 Gedenkdemonstrationen in Hoyerswerda organisiert, an welchen sich jeweils mehrere hundert Menschen beteiligten. Die antirassistische Gruppe besteht überwiegend aus Personen, die in Hoyerswerda aufgewachsen sind, aber nicht mehr in Hoyerswerda leben. Mehr Informationen zur Arbeit der Gruppe erfahren Sie auf: http://pogrom91.tumblr.com

Dieser Artikel erschien in den „Antifaschistischen Nachrichten“ Ausgabe 03/13.
http://www.antifaschistische-nachrichten.de/ausgabe_03_2013/detail/artikel/transparenz-in-hoyerswerda-fehlanzeige/

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