Weltfriedenstag 2018 in Zittau – Abrüsten statt Aufrüsten! Neue Entspannungspolitik jetzt!

Seit Beginn der 1950er Jahre wurde in der Deutschen Demokratischen Republik der
1. September als „Tag des Friedens“ bzw. als „Weltfriedenstag“ bezeichnet, an dem die Öffentlichkeit in Versammlungen und Kundgebungen zum Eintreten für den Weltfrieden aufgerufen wurde. In der Bundesrepublik Deutschland wird dieser Tag alljährlich als „Antikriegstag“ begangen. Er erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Die westdeutsche Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals am 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief.

„Neue Entspannungspolitik jetzt!“ war das Motto der Kundgebung am Antikriegstag am Dreiländerpunkt auf dem Hartauer Dammweg.

Zu dieser hatten ein Bündnis aus DIE LINKE, SPD, Bündnis90/DIE GRÜNEN, SLD Luban (PL), der ADFC und der Tamara Bunke Verein aufgerufen.

Im Aufruf hieß es:

Vor 79 Jahren begann Hitlerdeutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Wir wollen der unzähligen Opfer von Krieg, Faschismus und Völkermord gedenken.

Über alle Partei- und Landesgrenzen hinweg fordern wir:

    Nie wieder Krieg, Hass und Vergeltung!

    Schluss mit Wettrüsten, Waffenexporten und militärischen Interventionen!

Nur durch eine neue Entspannungspolitik sowie Kooperation mit allen internationalen Akteuren kann das Bomben und Töten und die weitere Konfrontation gestoppt werden: Abrüsten statt Aufrüsten! Neue Entspannungspolitik jetzt!

Nachdem Johannes Weiß, Pastor Christliches Gemeindezentrum Elim Zittau, die rund 50 Anwesenden musikalisch begrüßte, hatte der Vertreter des Ortsverbandes der Zittauer SPD, Christian Lange das Wort.
„Frieden heißt nicht “Eia-Popeia”, sondern (u.a.) Gewaltverzicht und Dialog auf Augenhöhe; beides hat in unserer Gegenwart elementarer Bedeutung.
Gedenken beutet: Entscheidende Erkenntnisse aus der Geschichte in die Gegenwart holen – mit dem Ziel: Irrwege vermeiden.“

Jens Hentschel-Thöricht, Stadt- und Kreisrat begrüßte den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linksfraktion im Sächsischen Landtag Lutz Richter.
Richter schockierte die Anwesenden mit Fakten. 500 Menschen sterben jeden Tag durch bewaffnete Konflikte und Kriege. 21 jede Stunde. 21 Menschen, die Träume und Hoffnungen hatten. 17 bewaffnete Konflikte und Kriege gibt es derzeit auf 5 Kontinenten. Lediglich in der Antarktis und in Australien gibt es keine. Sein Appell, für den er viel Zuspruch und Applaus erhielt: Wir dürfen dabei nicht wegschauen, jeder einzelne Tote ist einer zuviel. Jeder hat ein Recht auf ein Leben in Würde und ohne Angst.

Edward Witecki, von der polnischen Sojuszu Lewicy Demokratycznej (SLD) aus Luban erinnerte an den Überfall auf Polen. Dieses Leid, diese Vernichtung darf sich nie wieder wiederholen.

Matthias Böhm, Zittauer Stadtrat, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN machte mit seinen Worten deutlich:
„Frieden erreicht man nicht mit abgeschotteten Nationalstaaten – das hat unsere Geschichte gezeigt. Wir müssen gemeinsam die Ursachen für Kriege bekämpfen, denn gerade wir als Industrieland sind verantwortlich für globale Probleme wie den Klimawandel.“

Vom ADFC in Zittau sprach Klaus Gattner und stellte klar:
„Immense Rüstungsanstrengungen gerade in der NATO, gerade auch in Deutschland, gebieten, dass wir als entschiedene Gegner des unsinnigen Wettrüstens unsere Stimmen erheben gegen ein Gebaren, dass ein enormes Vernichtungspotential birgt und letztendlich nicht zu einem tragfähigen Frieden führen kann. Anlässlich des Antikriegstages 2018 muss deutlich gemacht werden, dass dringender als je zuvor das Gebot der Stunde das Betreiben einer wirksamen Entspannungspolitik ist – nicht nur in unverbindlichen Sonntagsreden, sondern durch eine konsequente Abrüstung.“  

Dass Krieg nicht nur offen sichtbar ausgetragen wird, sondern manchmal auch in Familien stattfindet mahnte Johannes Weiß, Pastor Christliches Gemeindezentrum Elim Zittau:
„Niemand wird geboren, um einen Menschen zu hassen. Mit diesem Zitat machte Nelson Mandela deutlich, dass es Möglichkeiten gibt, andere zum Guten oder zum Schlechten zu beeinflussen. Krieg beginnt viel früher als auf dem Schlachtfeld: in den Kinderzimmern, in den Schulen, in den sozialen Brennpunkten, im eigenen Herzen. Überzogene Härte, Unversöhnlichkeit, Angst, Neid  und  Egoismus sind oft die inneren Taktgeber. Wir haben eine Verantwortung vor Gott und vor Menschen. Nutzen wir sie.“

Mirko Schultze, Mitglied des Sächsischen Landtages der Fraktion DIE LINKE und Vorsitzender der LINKEN im Kreistag Görlitz machte in seinen Worten deutlich, dass der 1. September 1939 die logische Konsequenz aus überbordenden Nationalismus, Rassenhass und dem naiven Glauben war, es wird schon nicht so schlimm werden. Die Demokraten hatten den Faschisten die Mittel gegeben, die zum Ende der Demokratie und zum Beginn der Barbarei führten, weil sie glaubten auch dies sei Demokratie. Dies sollte sich nicht wiederholen, auch dafür steht der 1. September.“

Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die diesen „Ruf nach Frieden“ aus Zittau am 1. September 2018 ermöglichten.

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