Zittau begeht „Tag der Befreiung“ würdig

Dreiländerpunkt
Jens Hentschel-Thöricht
Frauenfriedhof Zittau

Zu Beginn des Jahres hatte der Zittauer Stadtrat auf Antrag der LINKEN beschlossen:

Der Stadtrat beauftragt den Oberbürgermeister, aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges, dieses bedeutende historische Ereignis am 8. Mai 2020 mit einer angemessenen Veranstaltung unter Einbeziehung von Vertretern der Partnerstädte Bogatynia (PL) und Hradek nad Nisou (CZ) sowie nach Möglichkeit der Kirchgemeinden zu gedenken.

Trotz der schwierigen Situation in Bezug auf die Corona-Maßnahmen, organisierte die Zittauer Stadtverwaltung ein am 8. Mai 2020 um 12 Uhr findet ein Treffen von Vertretern aller drei Seiten am Dreiländereck, unter Berücksichtigung der jeweiligen Sicherheitsmaßnahmen. Etwa 70 Menschen nahmen auf deutscher Seite an dem Treffen teil. Als die Europahyme erklang, wurde von Tauben – als Symbol des Friedens – fliegen gelassen.

Ortswechsel Frauenfriedhof

Um 14 Uhr führte die Zittauer LINKE  auf dem Frauenfriedhof ein “Gedenken aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges am 8. Mai 2020” durch. Etwa 30 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich daran.

Jens Hentschel-Thöricht, Vorsitzender der LINKEN in Zittau:

„Vor 75 Jahren schwiegen in Europa endlich die Waffen. Der 8. Mai 1945 war für Millionen Menschen in Europa und weltweit ein Tag der Hoffnung und Zuversicht. Die Alliierten zerschlugen das barbarische Nazi-Régime und sein Militär. Nicht zuletzt die Rote Armee trug mit einem riesigen Blutzoll entscheidend dazu bei.

Der 8. Mai 1945 ist als „Tag der Befreiung“ in mehreren europäischen Ländern ein Gedenktag, an dem der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa gedacht wird.

An seinem 75. Jahrestag wird hiermit auch in Zittau an die Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und vom Grauen des Krieges gedacht. Es wird an die Millionen Menschen – darunter auch Zittauerinnen und Zittauer – erinnert, die ihr Leben für die Befreiung der Völker Europas vom Faschismus eingesetzt und verloren haben. Mit dieser Mahnung wird die humanistische Forderung nach Toleranz und Frieden in der gesamten Welt nachdrücklich unterstrichen.

Doch nicht Courage oder eine friedenspolitische Orientierung der Regierenden in Deutschland, sondern ein Virus verhindert, dass ausgerechnet in diesem Jahr tausende Soldaten und Panzer in Richtung Russland rollen. Das NATO-Kriegsmanöver „Defender 2020“ bleibt auch auf dem Papier eine Bedrohung des Friedens und eine gewaltige Instinktlosigkeit.

Die Corona-Pandemie verhinderte in diesem Jahr allerdings auch viele große und kollektive Gedenkveranstaltungen zu diesem wichtigen Jahrestag. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen mehr berichten können, müssen Erinnerung und Mahnung aber im gesellschaftlichen Gedächtnis verankert werden. Der „Saatboden für einen neuen Faschismus“ (Jürgen Habermas) ist noch immer nicht ausgetrocknet.

Die Zittauer Linken unterstützen die Bitte der Holocaust-Überlebenden und Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees in Deutschland, Esther Bejarano, die sie in einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Mitglieder des Bundestages geschrieben hat: »Der 8. Mai muss ein Feiertag werden.« Dies würde helfen, »endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes«.

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